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Open Source: Die neue Studie im Auftrag der EU führt Münchens Entscheidung ad absurdum

Die im April 2017 erschienene Studie, bei der unter anderem das Fraunhofer Institut ISI mitwirkte, untersucht neben den künftigen Herausforder-ungen, denen sich die IT- Branche stellen muss, auch die sich daraus ergebenen Chancen, die Marktposition Europas innerhalb des globalen Wettbewerbs zu sichern und auszubauen. Zunächst analysiert die Studie die Stärken und Schwächen der derzeitigen Marktsituation innerhalb der einzelnen Segmente der Software und softwarebasierten Services (SSBS).

Abbildung : Die einzelnen Teilbereiche des SSBS (eigene Darstellung nach  Contract 30-CE-0740361/00-91, S. 26)

 

Zentrale Ergebnisse der Studie besagen, dass die Dynamik und das Wachstum innerhalb der europäischen Software- und IT-Branche weiter zunehmen wird. Treiber dieses Wachstums wird der Studie zu Folge vor allem das Segment Cloud Computing sein. Die Bereiche Games, Application-related services oder Infrastructure-Software sollen sich nach Meinung der Forscher relativ konstant entwickeln. Rückläufige Entwicklung wird wohl nur der Teilbereich der Infrastructure-related Services aufweisen. Beratung, Systemintegration und SaaS bilden die Schwerpunkte bei allen Softwareunternehmen, dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Anbietern proprietärer und Open-Source-Software. Zweites interessantes Ergebnis: Innerhalb der Studie widerlegen die mitwirkenden Forschungsunternehmen gleichzeitig ihre 2010 aufgestellte These, wohingegen Open-Source-Software als Bremse des wirtschaftlichen Wachstums der Softwareindustrie kritisiert wurde.

Dieses Eingeständnis wird man in München nicht gerne lesen. Nachdem dort der Stadtrat im Februar diesen Jahres beschlossen hatte, die 2009 eingeführte open-source-basierte Softwarelösung ‚LiMux‘ bis 2020 wieder durch eine proprietäre Standardsoftware zu ersetzen. Und das, obwohl die Stadt München mit Open-Source-Software gut ein viertel der Kosten einspart und die Anzahl der Fehler deutlich gesenkt werden konnten. Welche tatsächlichen Interessen hinter einer erneuten Umstellung der Systeme – zurück auf Microsoft – stecken, werden wohl nicht abschließend geklärt werden können. Sicher ist jedoch, dass die von der EU unabhängig in Auftrag gegebene Studie dazu rät, Open-Source-Software sowohl in der Verwaltung, als auch der Wirtschaft zu nutzen und dadurch zu unterstützen.

In der Schweiz hat man die Vorteile der Open-Source-Software schon früh erkannt und mittlerweile immerhin 38 Behörden und eine Vielzahl weiterer Großunternehmen zumindest teilweise auf Open-Source-Software umgestellt (vgl. Open Source Studie Schweiz 2015). Dabei setzten die Schweizer vor allem auf quelloffene Lösungen im Bereich des Cloud Computings und der Security. Open-Source-Software überzeugt dabei vor allem durch maximale Flexibilität bei der Gestaltung der IT-Landschaft. Gesamtwirtschaftlich gesehen, trägt Open-Source-Software maßgeblich dazu bei, die Effizienz der IT-Wirtschaft zu steigern. Zum einen durch die errechnete Kostenersparnis von jährlich 114 Milliarden Euro. Zum anderen zeichnen sich Open-Source-Lösungen häufig durch ein besseres und erfolgreicheres Projektmanagement und niedrigere Kosten bei der Fehlerbehebung des Codes aus. Insgesamt ergäbe sich daraus ein Kostenvorteil in Höhe von 342 Milliarden Euro. In der Schweizer Studie konnte gezeigt werden, dass gerade Vielnutzer von Open-Source-Software höhere Einsparungen erzielen konnten, als User die nur wenig Open Source Systeme einsetzten. Darüber hinaus bewirkt Open-Source-Software, dass Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Software einen Mehrwert schaffen müssen, um sich somit von den frei zugänglichen und kostenfreien Softwarelösungen zu differenzieren. Dieses Streben nach immer weiterer Differenzierung treibt den technologischen Fortschritt innerhalb der Branche weiter voran und führt letztlich dazu, dass der gesamte Softwaremarkt nach ständiger Verbesserung strebt. Ein weiterer Vorteil – der sich aus der stärkeren Verbreitung von Open-Source-Software ergibt – ist, dass dadurch insgesamt die durchschnittlichen Kosten modernster Technologien sinken und somit einer breiten Masse an Usern zugänglich gemacht werden können.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass diese Studie wieder vielfach hitzige Diskussionen über den ökonomischen Vorteil der unterschiedlichen Softwaretypen entfachen wird. Darüber hinaus wird das Ergebnis der Studie sicherlich auch erneute Kritik an der Entscheidung des Münchener Stadtrates auslösen und diese in Frage stellen.

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